• Karin

# 9 Hoch die Tassen!!


Wie ich vor kurzem bei einer Weiterbildung gelernt habe, ist eines der wichtigsten Tools im Projektmanagement das Teamevent am Projektende. Als feierfreudige Bayerin fand ich das natürlich grossartig. Aber warum ist das so? Untersuchungen haben gezeigt, dass Teams, die ihre Erfolge - das gemeinsame Erreichen des gesteckten Ziels - mit einem Abschlussevent feiern, bei nachfolgenden Projekten besser zusammenarbeiten. Die Projekt-Abschlussfeier bei Projekt A steigert so die Effizienz beim künftigen Projekt B.


Feiern steigert die Effizienz???

Bei einem Teamevent ausserhalb des üblichen Alltags-Setups landet man nach meiner Erfahrung sehr schnell an dem Punkt, an dem die Heldengeschichten und Katastrophenereignisse der gemeinsamen Reise rekapituliert werden. Das „weisst du noch …“ und „wenn das nicht geklappt hätte …“ ist nicht nur unterhaltsam. Es dient auch dazu, sich gegenseitig zu bestärken, die Beiträge der einzelnen Personen zu benennen und anzuerkennen. Das gemeinsame Storytelling formt die Identität der Gruppe und ihrer Mitglieder als Teil dieser Gruppe. Und so stärkt die Rückschau beim Teamevent das Vertrauen und den Zusammenhalt untereinander. Und genau das ist es, was die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit und grössere Effizienz bei künftigen Projekten schafft.


Feiern räumt Gehirnkapazitäten frei

Darüber hinaus hat das Teamevent noch eine andere Funktion. Das Ritual des Feierns sendet ein Signal ans Gehirn: mission accomplished. Das Ziel wurde erreicht, der Loop „Projekt XY“ kann jetzt geschlossen werden. Die fürs Projekt freigehaltenen Gehirnkapazitäten können nun für andere Vorhaben zur Verfügung gestellt werden. Ohne die Feier, also ohne das bewusste Wahrnehmen, dass das Ziel erreicht wurde, wird der Loop schon irgendwann auch geschlossen. Aber es dauert viel länger. Solange der Loop offen ist, wird das Gehirn für das beendete Projekt weiterhin gewisse Kapazitäten zumindest auf Standby bereit halten. Wenn man hinter die Zielerreichung keinen bewussten Schlusspunkt setzt, sondern sich nahtlos in das nächste Vorhaben stürzt, einfach weitermacht ohne Zwischenstop, dann verbrauchen all die offenen Loops mit der Zeit jede Menge Ressourcen.


Warum der Verzicht auf das Feiern der Produktivität schadet

Im Grunde verhält es sich mit dem Gehirn auch nicht anders wie mit einem Computer. Du kannst je nach Rechenleistung eine Vielzahl von Programmen und Browserfenstern gleichzeitig offen haben. Aber irgendwann ist das System überlastet. Du siehst dann vielleicht noch den Mauszeiger über den Bildschirm huschen, aber alles andere ist im Freeze. Rien ne va plus.

In Bezug auf uns Menschen kann das bedeuten: Wir können nicht mehr. Uns fehlt die Kreativität. Wir haben keine Lust mehr, etwas Neues anzufangen. Wir sind kaum mehr produktiv und schon gar nicht mehr effizient. Wir sind erschöpft und überlastet. Wenn du diese Effekte des non-stop-Weitermachens bei deinem Team vermeiden möchtest, dann solltest du darauf achten, Projekte und bedeutende Milestones immer wieder auch mit einem Teamevent abzuschliessen.


Und was heisst das jetzt fürs Privatleben?

Im Privatleben verhält es sich auch nicht anders als im Business. Wenn wir uns für unsere Erfolge nicht belohnen, sondern ohne Unterlass von einem Vorhaben zum nächsten hetzen, dann geht uns auch im Privatleben irgendwann die Luft aus. Wenn wir uns nicht die Zeit nehmen, die „lessons learned“ zu ermitteln (was lief gut? was lieft schlecht? welche Ideen und Ansätze haben mich weitergebracht? was will ich künftig anders machen?) und die Freude über das Erreichte zum Ausdruck zu bringen, dann verpassen wir nicht nur die Chance, die Erkenntnisse freizulegen und für künftige Vorhaben zu nutzen. Indem wir über den Erfolg hinweggehen signalisieren wir uns ausserdem, dass unser Tun irgendwie doch nichts besonderes war. Erreichte Ziele und Milestones fühlen sich dann mit der Zeit hohl an. Statt Energie, Lebensfreude und Erfülltsein aus dem verwirklichten Vorhaben zu ziehen, macht sich das dumpfe Gefühl der Leere und Unzufriedenheit breit. Dein System, das ohnehin schon mit einem weiteren offenen Loop belastet ist, wird sich mit der Zeit fragen, was genau es denn leisten muss, um endlich einmal die verdiente Anerkennung zu bekommen. Und wenn diese nie kommt, dann fällt es mit der Zeit immer schwerer, sich für das nächste Projekt aufzuraffen und voller Kreativität und Freude etwas Neues anzupacken. Aus diesem simplen Grund sollten wir darauf achten, auch im Privatleben unsere Erfolge gebührend zu würdigen.


Let’s celebrate!?

Gebührend würdigen bedeutet für mich nicht, dass unbedingt die Champagnerkorken knallen müssen (zugegeben, ab und an erscheint mir das auch nicht verkehrt). Gebührend würdigen bedeutet für mich, mir bewusst zu machen, dass ich etwas für mich wichtiges, besonderes oder grosses erreicht habe und welchen Einsatz ich dafür gebracht habe. Dafür braucht es niemandem im Aussen und keine grosse Sause - wenngleich es natürlich viel Spass macht, mit anderen zu feiern. Aber auch wenn ich mit anderen feiere, stellt sich das Gefühl der Zufriedenheit und des Erfülltseins bei mir meist erst in dem Moment ein, in dem ich mich selbst für meinen Erfolg und all die Aufs und Abs anerkenne, die den Weg zum Erfolg gepflastert haben. In dem Moment, in dem ich voll drin bin in dem Gefühl, das hochkommt, wenn ich realisiere, dass ich mein Ziel erreicht habe.

Es spielt keine Rolle, in welcher Form du deine Erfolge feierst, solange du damit bewusst einen Schlusspunkt hinter deinen Erfolg setzen kannst. So dass die Emotionen freigesetzt werden, die es dem Gehirn ermöglichen zu verstehen, dass eine bestimmte Phase jetzt vorbei ist und die vorhandenen Kapazitäten alsbald wieder für etwas anderes eingesetzt werden können. In diesem Sinne: lasst uns unsere Erfolge feiern, um unsere Kreativität, Produktivität und Lebensfreude zu erhalten.


Hoch die Tassen und alles Liebe von

Karin



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