• Karin

# 27 Growing old



Sprache kann ja sehr aufschlussreich sein. Vor kurzem kam im Radio ein Lied und da lautete eine Textzeile „when I grow old“. Aus irgendeinem Grund blieb ich daran hängen. Die Phrase geistert mir noch immer im Kopf herum.


„Growing old“ bedeutet übersetzt altern/alt werden. Was auf deutsch nach Verfall und Schluss-mit-lustig klingt, hat in der englischen Sprache eine ganz andere Schwingung, wie ich meine. „Growing old“ - da steckt „to grow“ drin. Und „to grow“ bedeutet wachsen, sich entwickeln, zunehmen, ausweiten. „Growing old“ klingt so gar nicht danach, als hätte man seinen Zenith längst überschritten und müsste jetzt auf den „Lebensabend“ (noch so ein Wort) und das anschliessende Ableben hinwarten. Überhaupt klingen „altern“ und „alt werden“ ganz danach, als wäre da ganz viel Hinwarten zu erledigen. Ja auf was eigentlich??


„Growing old“ hingegen - das klingt nach Weisheit und Erfahrung, nach Fülle und Zufriedenheit. „Growing old“ enthält das Versprechen, dass da noch ganz viel Wachstum und Reifung drin liegt. Dass sich mitunter schwierige Erfahrungen und Erlebnisse der Gegenwart mit der Zeit in Erkenntnis und Einsicht transformieren lassen. Dass die Samen der Vergangenheit und Gegenwart ihre Schätze in der Zukunft offenbaren.

Ähnlich wie bei einem Baum. Mit jedem Lebensjahr wird er kräftiger und stabiler, kann Durststrecken viel besser aushalten als ein junges Pflänzchen, spendet mehr und mehr Schatten und breitet seine Äste bewahrend über all das Leben aus, dass sich um ihn herum tummelt.

Also, wenn du mich fragst, ich lass das mit dem alt werden und wechsle ins Team „growing old“. Ich möchte nicht stehenbleiben, das Beste schon hinter mir haben und verfallen. Ich möchte weiter wachsen an all dem Schönen und Herausfordernden, das das Leben für mich bereit hält. Ich will die Erkenntnisse aus meinen Erfahrungen bergen und meine Schatzkiste füllen. Und zwar nicht mit irgendwelchem Zeug, das zufällig des Weges kommt, sondern mit polierten Edelsteinen. Ich will eines Tages zurückschauen und sagen können, dass all diese Edelsteine einst als Kiesel, Splitt oder Geröll vor mir lagen. Dass ich mir die Mühe gemacht habe, sie zu schleifen und zu polieren. Und dass ich nunmehr mit Dankbarkeit im Herzen auf meine Schätzchen blicken darf.


Und du?

Alles Liebe von

Karin


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