• Karin

# 26 Leben gestalten in Zeiten der Pandemie


Vielleicht ist es dir auch aufgefallen. Um den Jahreswechsel herum hat sich in vielen Social Media Posts und Blogartikeln ganz schön viel Frust entladen. Frust über ein verlorenes Jahr 2020. Frust über nicht gefeierte Geburtstage, Hochzeiten und Weihnachtsfeste; Frust über nicht unternommene Städtetrips und Fernreisen; Frust über geschlossene Läden, Homeschooling, Homeoffice, Maskenpflicht und all die Dinge, die im vergangenen Jahr plötzlich unsere Realität geprägt haben. Dieser Zeit wird niemand hinterhertrauern - ich auch nicht. Dennoch frage ich mich, was es mit uns macht, wenn wir ein ganzes Jahr als ein „verlorenes Jahr“ verbuchen.


Natürlich war 2020 herausfordernd und anstrengend. Vieles, was Spass macht, konnte nicht stattfinden, und zusätzlich mussten wir lernen, mit völlig neuen Situationen umzugehen. Aber wenn ich mir so anschaue, wie über einige Frustfaktoren lamentiert wird, z.B. verunmöglichte Fernreisen, Feste und Shoppingmöglichkeiten, dann frage ich mich, was hier eigentlich genau beklagt wird. Geht es hier wirklich um den fehlenden Kontakt zu anderen Menschen und die fehlende Erholung vom Alltag? Oder rührt der Frust daher, dass uns unsere gewohnten Ablenkungsmöglichkeiten im Aussen genommen wurden?

Ein Jahr wie 2020 lädt dazu ein, darüber nachzudenken, welche Aktivitäten wir tatsächlich als sinnstiftend und erfüllend empfinden, und mit welchen wir uns primär von uns selbst ablenken. Verreisen wir, um neue Orte und Kulturen kennenzulernen, oder verreisen wir, um nur ja nicht zuhause sein zu müssen? Gehen wir shoppen, weil wir wirklich etwas benötigen, oder weil der Spruch „ich shoppe, also bin ich“ doch irgendwie auf uns zutrifft? Haben wir all die Strassenfeste, Barbesuche und private Feiern vermisst, weil wir das gemeinsame Erlebnis mit anderen schätzen, oder weil sie unseren Terminkalender gefüllt haben?

Diese Fragen kann nur jede*r für sich selbst beantworten. Ich wünsche dir und mir für dieses Jahr, dass wir uns diesen Fragen stellen. Dass wir den Mut haben, wenigstens zu uns selbst ehrlich zu sein. Dass wir erkennen, was wir wirklich brauchen, welcher tiefere Wunsch hinter einem Bedürfnis steckt, und wie wir diesen tieferen Wunsch ggf. auch auf andere Weise erfüllen können. Ich wünsche uns die Zeit, die wir benötigen, uns mit diesen Fragen zu befassen. Und ich wünsche uns die Umsetzungskraft, um nachdrücklich und ausdauernd ins Handeln zu kommen.

Momentan sieht es nicht so aus, dass wäre die Pandemie in Kürze vorbei und 2021 wieder alles beim alten. Deshalb wünsche ich uns umso mehr, dass wir es in 2021 besser machen, gewissermassen unsere zweite Chance ergreifen. Dass wir aufhören, auf bessere Zeiten zu warten, sondern die Zeiten so annehmen, wie sie sind, und unser Leben in Zeiten der Pandemie gestalten. Denn Leben ist jetzt.

Alles Liebe von

Karin


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