• Karin

# 2 "I choose to be here"

Neulich habe ich einen Newsletter erhalten. Darin hat die Autorin über den Nutzen des Gedankens „I choose to be here“ im Rahmen ihrer Selbständigkeit sinniert. Es ging darum, wie sie sich als Selbständige im Trubel der vielen verschiedenen Projekte und Ideen und Termine des beruflichen Alltags wieder erdet, um nicht von der schieren Flut an Arbeit überwältigt zu werden. Die Autorin beschrieb die Wirkung dieses Gedankens so:

„Dieser Satz erinnert mich in erster Linie daran, dass ich eine Wahl habe. Dass ich freiwillig hier sitze und an genau dem arbeite, woran ich gerade arbeite. Dass es immer Alternativen gibt. Dass ich mich bewusst für dieses herrliche Durcheinander entschieden habe, und mich nun genau so bewusst für einen konzentrierten, präsenten Arbeitsmoment entscheiden kann. Dieser Satz erinnert mich daran, dass ich die Verantwortung trage für meinen Tag. Für meinen Prozess.“ (Ricarda Kiel, Newsletter vom 24.4.2019; mehr zu Ricarda unter www.diegutewebsite.de).


Aus meiner Sicht kann dieser Satz nicht nur Selbständige erden. Gerade auch für Angestellte ist es oft ganz leicht, anderen die Verantwortung dafür zu geben, dass man gerade in irgendeiner nervigen Sitzung festhängt, ein faktisch oder gefühlt überflüssiges Paper schreibt, oder Slides ausarbeitet, die dann doch niemand braucht. Da vergisst man schnell, dass man diesen Job freiwillig macht und dass es sogar einmal Tage gab, an denen man die Zusage für genau diese Stelle herbeigesehnt hat. Mit "I choose to be here" setze ich mich wieder in den Fahrersitz meines Lebens und muss kein Opfer der Umstände sein.


Ich finde, es ist eigentlich ein rundum gutes Lebensmotto. Auch für genervte Mütter, die sich zwischen Windeln, Brei, quengeligen Kindern und ehrgeizigen Mit-Müttern am liebsten wegbeamen würden. Und für Väter, die sich nach einem ruhigen Bürotag damit konfrontiert sehen, in den heimischen Wahnsinn zurückkehren zu müssen. Für Lehrer, die vor ihrer lärmenden Klasse stehen, und für Studenten, die an der ersten Vorlesung verzweifeln.


Wer sich sagt „ich entscheide mich, hier zu sein“, öffnet seinen Blick für den eigenen Anteil an der Situation. Für den eigenen Wunsch, der zu einem früheren Zeitpunkt Pate für die Entscheidung stand, einen Weg zu beschreiten, der in die heutige Situation mündete. Für die vorhandenen Möglichkeiten, die aktuelle Situation anzunehmen und positiv zu beeinflussen. Für die Ressourcen, die in der Situation stecken und für das Potential, das noch nicht gehoben wurde. Wer sich entscheidet, hier zu sein, übernimmt Verantwortung für das eigene Tun und kommt Schritt für Schritt aus der Passivität wieder in die Rolle der aktiven Gestalterin/des aktiven Gestalters ihres/seines Alltags.


Was macht es mit dir, wenn du sagst „I choose to be here“?


Alles Liebe von

Karin




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