• Karin

# 18 Innere Antreiber


Taibi Kahler, eine amerikanischer Psychologe, hat in den 1970er Jahren fünf sogenannte innere Antreiber (engl. „driver“) identifiziert. Hinter den inneren Antreibern verbergen sich automatisierte Steuerungs- und Reaktionsmuster, die unser Denken, Fühlen und Handeln prägen. Antreiber können eine wertvolle Ressource darstellen, wenn sie uns zu guten Leistungen und Erfolgen motivieren. Wenn ein stark ausgeprägter Antreiber jedoch dauerhaft den Fahrersitz - die Rolle des „drivers“ - in unserem Leben übernimmt, dann besteht die Gefahr, dass wir die Grenzen unserer Belastbarkeit in einem ungesunden Mass überschreiten. Erschöpfungszustände bis hin zum Burnout können die Folge sein.


Wie entstehen innere Antreiber?

Wie so viele Verhaltensmuster entstehen auch die inneren Antreiber im Kindesalter. Es handelt sich um die an uns direkt und indirekt kommunizierten Wertvorstellungen und Erwartungen unserer Erziehungs- und Bezugspersonen. Diesen war in aller Regel daran gelegen, uns zu Menschen zu machen, die gut in der Welt zurecht kommen. Je nach sozialem und kulturellem Umfeld werden wir dabei in unterschiedlichem Masse mit unterschiedlichen Anforderungen konfrontiert. Und unbewusst extrahieren wir mit der Zeit aus diesen Anforderungen unsere jeweiligen individuell dominierenden Antreiber, die je nach persönlichen Anlagen und Umfeld mehr oder weniger stark ausgeprägt sein können. Die Antreiber werden zu unserer eigenen inneren Stimme und wir übernehmen deren positive Absichten, aber auch deren Mahnungen und dahinter stehenden Glaubenssätze.


Wie wirken innere Antreiber?

Wenn uns unsere dominierenden Antreiber nicht bewusst sind, neigen wir dazu, ihren Aufforderungen widerspruchslos Folge zu leisten. Das gilt vor allem in Stress- oder Drucksituationen, in denen typischerweise automatisierte Verhaltensmuster zum Tragen kommen. Dann übernehmen unsere Antreiber das Kommando und können sich in „drill sergeants“ wie bei den U.S. marines verwandeln, die uns weit über unser Limit hinaus pushen. Wir folgen den Anweisungen unserer Antreiber blind, ohne zu hinterfragen, ob ihre Botschaften tatsächlich wahr oder in der gegenwärtigen Situation nützlich und sinnvoll sind.


Innere Antreiber konstruktiv nutzen

Wenn es uns in Stress- und Drucksituationen gelingt, unsere Antreiber wahrzunehmen, dann haben wir jedoch die Möglichkeit, deren positiven Gehalt bzw. die dahinter stehende Stärke für uns zu nutzen. Anstatt in ein unbewusstes Stressverhaltensmuster zu fallen, können wir prüfen, inwieweit die Botschaft des Antreibers in der gegenwärtigen Situation wahr und dienlich ist, oder ob hier ein Muster abläuft, dass uns beeinträchtigt oder blockiert. Wie bereits erwähnt, steckt hinter jedem dieser Antreiber auch eine positive Absicht und eine Stärke, ohne die wir vieles von dem, worauf wir heute stolz sind, nicht erreicht hätten. Deshalb geht es nicht darum, die Antreiber zu eliminieren. Die wahre Freiheit liegt darin, wählen zu können, wie wir mit den Impulsen unserer Antreiber umgehen. Dann können wir in unserem Denken, Fühlen und Handeln den positiven Gehalt unserer Antreiber verwirklichen.

„Sei stark!“ („Be strong!“)

Die Botschaft dieses Antreibers lautet: Niemand darf merken, dass du schwach, empfindlich oder ratlos bist. Gefühle zeigt man nicht. Gefühle sind ein Zeichen von Schwäche und machen verletzbar. Ein Indianer kennt keinen Schmerz.

Seine positive Absicht liegt darin, Kraft und Durchhaltevermögen zu vermitteln. Wer stark ist, ist verlässlich, nicht von anderen abhängig und bereit, erforderlichenfalls die „Extrameile“ zu gehen, um ans Ziel zu kommen.

Übernimmt der Antreiber jedoch die Kontrolle, können uns die dahinter stehenden negativen Glaubenssätze blockieren. Beispiele sind: Ich muss jederzeit auf alles gefasst sein. Ich kann niemandem vertrauen. Ich darf keine Schwäche zeigen.


„Sei perfekt!“ („Be perfect!“)

Die Botschaft dieses Antreibers ist simpel: Mach keine Fehler. Wenn du eine Arbeit angefangen hast, dann erledige sie gründlich und fehlerfrei. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Dahinter steckt die positive Absicht, uns dazu zu bringen, unsere Sache gut zu machen, gute Ergebnisse abzuliefern und (gesunden) Ehrgeiz zu entwickeln.

Nimmt der Antreiber überhand, denken wir womöglich: Ich bin nicht gut genug. Ich bin nicht liebenswert, so wie ich bin. Egal was ich mache, es reicht nie aus. Ich muss immer noch besser werden.


„Beeil dich!“ („Hurry up!“)

Dieser Antreiber hat die Botschaft: Wer rastet, der rostet. Du darfst keine Zeit verschwenden. Wenn du dich nicht beeilst, verpasst du etwas im Leben.

Die positive Absicht dieses Antreibers ist, in uns eine hohe Leistungsbereitschaft zu wecken. Er möchte uns dazu motivieren, effizient zu sein, Chancen zu nutzen und Dinge voranzubringen, die uns wichtig sind.

Sitz der Antreiber fest auf dem Fahrersitz, glauben wir womöglich dem blockierenden Glaubenssatz, dass es uns nicht zusteht, uns Zeit und Raum für uns selbst zu nehmen. Dass wir uns keine Pause erlauben dürfen. Dass wir die Chance unseres Lebens verpassen, wenn wir jetzt nicht weitermachen.


„Mach es allen recht!“ („Please others!“)

Die Botschaft dieses Antreibers ist: Sei liebenswürdig und freundlich. Du bist wertvoll, wenn alle mit dir zufrieden sind. Wenn du „nein“ sagst, wirst du abgelehnt. Wenn man es allen recht macht, wird man akzeptiert.

Die positive Absicht dieses Antreibers liegt darin, uns für die Bedürfnisse unseres Umfelds zu sensibilisieren, Mitgefühl und Rücksichtnahme zu üben. Der Antreiber möchte unsere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit stärken, so dass wir uns schnell auf veränderte Bedingungen in unserem Umfeld einstellen können.

Wenn der Antreiber zuviel Gewicht bekommt und uns blockiert, denken wir womöglich, dass wir selbst unwichtig sind, unsere Meinung nicht zählt, und dass wir nur wertvoll sind, wenn wir zum Wohl der anderen beitragen.

„Streng dich an!“ („Try hard!“)

Die Botschaft dieses Antreibers lautet: Ohne Fleiss, kein Preis. Das Leben ist kein Ponyhof. Erfolg ist das Ergebnis harter Arbeit.

Auch dieser Antreiber hat eine positive Absicht. Er möchte uns zu Disziplin und Leistungsfähigkeit motivieren. Er möchte uns vermitteln, dass einem Erfolge nicht zufallen, sondern man es selbst in der Hand hat, Ideen und Ziele in Erfolge zu verwandeln.

In seiner blockierenden Variante kann der Antreiber uns zu der Überzeugung gelangen lassen, dass wir im Leben immer alles alleine schaffen müssen und nicht auf Hilfe und Unterstützung zählen können. Dass das Leben hart und mühsam ist.


Wenn der Antreiber wieder einmal auf dem Fahrersitz Platz nimmt …

Wenn wir unsere Antreiber kennen und uns auch unter Stress oder Druck an sie erinnern, dann können wir im ersten Schritt innerlich „Stop“ sagen und uns die Situation genau ansehen. Statt einfach nur weiterzumachen, können wir uns dann zum Beispiel fragen: Was heisst überhaupt „stark“, „perfekt“, „schnell“, „angepasst“ oder „sich anstrengen“? Was bedeuten die Begriffe in meiner konkreten Situation? Ist es wirklich wahr, dass ich den Ansprüchen des jeweiligen Antreibers in meiner gegenwärtigen Situation nicht genüge? Was wäre in meiner gegenwärtigen Situation ein konstruktiver Gedanke oder ein konstruktives Verhalten?

Antreiber-Test

Wenn du Lust hast herauszufinden, welche Antreiber bei dir im Vordergrund stehen und wie stark sie ausgeprägt sind, kannst du hier den Antreiber-Test herunterladen (kostenlos und ohne sonstige Verpflichtungen).



Alles Liebe von

Karin



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© 2020 Dr. Karin Amberg