• Karin

# 16 Kreativität


Lass uns heute mal über Kreativität reden. Jahrelang habe ich mir eingeredet - und auch einreden lassen - dass ich nicht kreativ sei. Ich kann nicht malen oder zeichnen. Jedenfalls nichts, was hinterher jemand als das, was ich zu Papier bringen wollte, erkennen würde. Ich kann keine tollen Fotos schiessen, jedenfalls nicht beabsichtigt. Jedes Jahr vor Fasching steh ich da und mir fällt absolut keine Verkleidung ein, schon gar keine originelle. Tolle Weihnachtsdeko? Fehlanzeige. Adventskranz selber basteln? Hör mir auf damit. Dein Geburtstag? Ich hoffe, du freust dich auch über einen Gutschein.


Was heisst eigentlich „kreativ sein“?

Das Wort Kreativität leitet sich vom lateinischen Begriff „creare“ ab. Und das wiederum bedeutet gemäss Langenscheidt u.a. „erschaffen, hervorbringen, ins Leben rufen“. Mit anderen Worten: kreativ ist man immer dann, wenn man etwas aus sich heraus erschafft, hervorbringt oder real werden lässt, was vorher nicht da war. Kreativ bin ich nicht nur, wenn ich ein künstlerisch wertvolles Bild male oder eine tolle Weihnachtskarte bastle. Kreativ bin ich z.B. auch dann, wenn ich diesen Artikel hier schreibe. Bis eben war da nur eine leere Seite. Jetzt stehen hier Wörter. Wörter, die zuerst nur eine Idee in meinen Kopf waren, und die sich nun hier zu Sätzen und Gedanken aneinanderreihen. Dieser Blog hier ist das Ergebnis meiner Kreativität.


Sich selbst zum Ausdruck bringen

Kreativ sein hat nichts damit zu tun, ein*e Künstler*in zu sein. Kreativ ist jede*r, der/die sich selbst zum Ausdruck bringt, egal in welcher Form. Die einen bringen sich beim Kochen oder Backen zum Ausdruck, z.B. meine Schulfreundin Nadja, deren Back-Ideen phänomenal sind (du kannst dir selbst ein Bild davon machen unter @flavourovershine bei Instagram). Die anderen beim Gärtnern. Einige gestalten gerne etwas und lassen unter ihren Händen selbstgenähte Kleider, selbstgestrickte Pullover und ähnliches entstehen. Wieder andere erfinden Spiele, arbeiten an der Vervollständigung ihrer Gin-Sammlung oder gestalten ihre Wohnung neu.


Muss ich da nicht etwas Neues erfinden?

Kreativ ist aus meiner Sicht übrigens nicht nur, wer etwas Neues, nie zuvor da gewesenes erfindet. Kreativ ist für mich auch, wer einer Anleitung folgt, wie z.B. einen Back- oder Kochrezept, einer Näh- oder Strickanleitung, einer Do-it-yourself-Anleitung aus dem Baumarkt usw. Denn auch wenn man einer Anleitung folgt, ist da zuerst die Idee, die einen verlasst, in die Umsetzung zu gehen. Und bei der Umsetzung wird man auch unweigerlich eigene Akzente setzen. Zum Beispiel weil man den Stoff fürs Nähprojekt oder die Wolle fürs Strickprojekt selbst aussucht. Und sei es, weil man mal wieder improvisieren muss, weil die Anleitung doch nicht so super intuitiv formuliert war oder man aus Versehen zwei Absätze übersprungen hat. Was zählt ist, dass du mit Freude und Motivation etwas erschaffst - kreierst -, das als Idee in deinem Kopf begann und anschliessend in deiner Welt real wurde.


Muss ich da nicht alles selber machen?

Aus meiner Sicht setzt Kreativität auch nicht voraus, dass man zwingend alles selber macht. Für mich ist es auch höchst kreativ, wenn man eine Idee hat, wie etwas werden soll, und man dafür dann die richtigen Fachleute hinzu zieht. Wenn du deine Wohnung umgestalten möchtest, dann bist du aus meiner Sicht auch dann kreativ, wenn du fürs Streichen der Wände eine*n Maler*in beauftragst und dir die neuen Vorhänge nähen lässt. Die Entscheidung über die Farbe der Wand und das Aussehen der Vorhänge liegt nämlich immer noch bei dir. Auch wenn Anregungen aus dem Aussen kommen, wird die Vorstellung über das Ergebnis immer zuerst in deinem Kopf entstehen, bevor es Realität werden kann. Und wenn es Realität geworden ist, hast du einen handfesten Beweis deiner Kreativität.


Alles Liebe von

Karin



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