• Karin

# 13 Schon von Ikigai gehört?


Der Begriff „Ikigai“ stammt aus dem Japanischen. Wie viele japanische Begriffe und Schriftzeichen hat auch „Ikigai“ mehrere Bedeutungen bzw. Übersetzungsmöglichkeiten. Hier die Bedeutungen gemäss Bettina Lemke, der Autorin von „Entdecke dein Ikigai“ (S. 19):

  • Sinn des Lebens

  • das, wofür es sich zu leben lohnt

  • das Gefühl, für das es sich lohnt, morgens aufzustehen

  • das Glück, Dinge zu tun, die das Leben für einen selbst lebenswert machen

  • Selbstverwirklichung und Lebensmotivation

  • das Gefühl, lebendig zu sein

  • der Grund, warum man lebt

  • Freude und Lebensziel

Gemäss der Lehre des Ikigai ist zufriedener, glücklicher, motivierter und lebendiger, wer sein Ikigai gefunden hat. Wer weiss, warum er/sie morgens aufsteht, was ihn/sie erfüllt und seinem/ihrem Dasein Sinn gibt. Bei diesem Artikel handelt es sich im Übrigen nicht um bezahlte Werbung, sondern um eine unbezahlte Herzensempfehlung.


Die 4 Bereiche des Ikigai

Unser persönliches Ikigai setzt sich aus 4 grossen Bereichen zusammen (vgl. Lemke, S. 20):

  • Dinge, die wir gerne tun

  • Dinge, die wir gut können

  • Dinge, für die wir bezahlt werden (könnten)

  • Dinge, die die Welt braucht

Was mir an diesem Ikigai am besten gefällt: es geht nicht darum, diese eine Sache zu finden, die alle vier Bereiche abdeckt. Man kann sein Ikigai auch leben, wenn man diese Bereiche mit unterschiedlichen Aktivitäten füllt (vgl. Lemke, S. 21). Zwar erscheint es einleuchtend, dass eine Person, die mit einer Tätigkeit alle vier Bereiche abdecken kann, ihr Ikigai besonders gut leben kann. Denken wir z.B. an eine Lehrerin, die Freude an ihrem Beruf hat, gutes Feedback für ihren Unterricht erhält, hierfür bezahlt wird und die so zur Bildung der nächsten Generation beiträgt. Allerdings kann man sein Ikigai wie gesagt auch dann leben, also glücklich, zufrieden und erfüllt sein, wenn man sich mit Dingen beschäftigt, die jeweils nur einzelne Bereiche des Ikigai abdecken. Da kommt mir z.B. ein Familienvater in den Sinn, der bei jedem Wetter mit dem Hund rausgeht, weil er sich gerne um ihn kümmert; der regelmässig für seine Familie kocht, weil er das gut kann; der zur Arbeit geht, weil er dort als Gegenleistung für sein Gehalt sein Knowhow und seine Fertigkeiten einbringt; und der sich ehrenamtlich als Hockeytrainer engagiert, weil der örtliche Verein dadurch floriert.


Ikigai ganz praktisch

Wenn man sich den Druck nimmt, diese eine Sache finden zu müssen, die rundum alle Ikigai-Bereiche abdeckt und jede Erwartungshaltung hinter sich lässt, dann kann es sehr viel Spass machen, sich im praktischen Teil auf die Entdeckungsreise zum eigenen Ikigai zu begeben. Die Autorin hat ja erklärtermassen ein Praxisbuch geschrieben. Der praktische Teil besteht aus zahlreichen Fragen zur spielerischen Selbstreflexion. Da gibt es zum Beispiel Fragen zu den Lieblingsbüchern und -filmen, den Lieblingsbeschäftigungen heute, in der Jugend und in der Kindheit, zu Gesprächen mit den Freunden, den eigenen Träumen, was man mit einer bestimmten Menge Geld anstellen würde usw. Ich habe das Buch noch nicht ganz zu Ende gelesen und kann deshalb nicht sagen, wie das Ganze wohl ausgeht. Aber schon jetzt kann ich sagen, dass es viel Spass macht, sich diese Fragen zu stellen und dabei das eine oder andere Neue über sich zu erfahren oder Altes wieder zu entdecken.


Leichtigkeit

Besonders gefällt mir die Leichtigkeit, die Bettina Lemke in ihrem Buch transportiert. Gegenwärtig kann man in der Zeitung, in Zeitschriften und Büchern sowie auf Social Media viel über das Suchen und Finden der Berufung lesen. Die Geschichten über Menschen, die ihre Berufung gefunden haben, folgen häufig dem Muster einer griechischen Tragödie im modernen Gewand: Viel Arbeit, Burnout, Einkehr, Erkenntnis, Neustart. Die Orte der Einkehr und Erkenntnis variieren: auf Bali, beim einsamen Wandern/Pilgern, im Kloster, etc. In der Regel ist die Berufung gross und beinhaltet unter anderem die Rettung der Menschheit. Das klingt sarkastisch, ich weiss. Aber man könnte den Eindruck bekommen, dass es heute nicht mehr zeitgemäss ist, einfach mal nur so vor sich hin zu leben. Ich weiss ja nicht, wie es dir geht. Ob du deine Berufung suchst, schon gefunden hast oder dir das Thema sowieso piepegal ist. Aber es gibt Tage, da nervt es mich, wenn es nicht reicht, dass ich täglich einen guten Job mache, eine gute Zeit mit meinem Mann, meinen Freuden und meinen Kollegen verbringe, sondern wenn ich jetzt auch noch eine Berufung finden und leben muss.


PS: Gemäss der Autorin kann das Ikigai beim Einzelnen auch darin bestehen, sich auf den Weg zu machen, das Ikigai zu finden (vgl. S. 21). Klingt ganz nach dem Motto „der Weg ist das Ziel“.


Viel Vergnügen bei der Lektüre & Alles Liebe von

Karin


... und wenn du den nächsten Artikel druckfrisch erhalten möchtest, dann registriere dich gerne hier am Ende der Seite für die Zustellung per E-Mail.

47 Ansichten

© 2020 Dr. Karin Amberg