• Karin

# 12 Wessen Bier isses?



Mehr und mehr wird es eine der wichtigsten Fragen in meinem Leben, nicht nur zur Oktoberfest-Zeit: Wessen Bier isses? Denn was immer das Leben gerade für mich bereithält, welche Dramen sich um mich herum abspielen, ich habe immer eine Wahl: Ich kann entweder ins Gedankenkarussell einsteigen, die bisherigen Ereignisse bis ins kleinste Details auseinandernehmen („und dann hat er das gesagt, daraufhin hab ich das gemacht und dann hat sie aber gemeint …“), mich über die Umstände oder das Verhalten anderer ärgern, alle Worst-Case-Szenarien durchdeklinieren und mich so richtig schön nach allen Regeln der Kunst „dreinjagen“. Oder ich trete gedanklich einen Schritt zurück, schaue mir die Szenerie an und stelle mir erst einmal die Frage: Wessen Angelegenheit ist das hier eigentlich? Ist es mein Bier? Ist es das Bier von jemand anderem? Oder ist es das Bier des Universums (oder einer anderen unbeeinflussbaren Drittinstanz: Gott, Schicksal, Meister Yoda, …)?


Lass uns mal konkret werden…

… und uns das an einem Beispiel aus der Arbeitswelt schauen: Du hast über den Flurfunk mitbekommen, dass dein Bereich von einer Umstrukturierung betroffen sein könnte. Niemand weiss etwas genaues, aber die Gerüchte schiessen schon ins Kraut. Na bitte, los gehts. Die ersten werden sofort panisch und denken laut drüber nach, ob sie mit Mitte 20/30/40/50 als Frau/Mann noch einen neuen Job finden (Unzutreffendes bitte streichen). Die nächsten gehen direkt zur Chefin/zum Chef und verlangen eine Erklärung. Die dritten sehen auf einmal alles klar und erkennen verschwörungsartige Zusammenhänge zu einer drohenden, noch viel grösseren Katastrophe.

Das Beispiel liesse sich noch ausweiten. Aber vermutlich wird dir schon klar: all diese Reaktionsmuster lösen bei allen Beteiligten Stress, Unsicherheit und Ängste aus. Wer hier voll mit einsteigt, ist mit der eigenen Aufmerksamkeit und der eigenen Energie im Aussen und arbeitet sich an theoretischen Worst-Case-Szenarien ab. Und dabei ist rein faktisch noch überhaupt gar nichts passiert.

Um diesen Stress zu vermeiden hilft es ungemein, tief durchzuatmen und dann erst einmal zu hinterfragen, wessen Angelegenheit das ist. Deine? Nein, bislang wurdest du weder gekündigt noch wurde deine Stelle verschoben. Die der Geschäftsleitung? Wohl ja. (Ich denke, das Universum können wir hier aussen vor lassen.) Aber klar ist: in dieser Situation des Flurfunks ist es nicht deine Angelegenheit. Es gibt nichts, worum du dich heute, hier und jetzt sorgen und kümmern müsstest. Also herzlichen Glückwunsch. Statt dich in Sorgen, Befürchtungen und anderen negativen Emotionen und Gedankenspiralen zu verlieren, kannst du dich weiter des Lebens freuen und das Beste aus deinem Tag machen.


… und noch umgekehrt

Nehmen wir noch ein zweites Beispiel. In der Mitarbeiterversammlung wurde dir und deinen Kolleg*innen gerade mitgeteilt, dass euer Bereich von München nach Salzburg verlegt wird. Dein Bier? Jetzt ja. Wenn du näher an Salzburg wohnst als an München und dein Arbeitsweg jetzt kürzer wird, kannst du dich weiter des Lebens freuen und das Beste aus deinem Tag machen. Wenn nicht, dann ist es jetzt deine Sache, dich zu informieren und deine weiteren Optionen und Schritte zu prüfen. Und es ist völlig ok, wenn dich die Nachricht auch emotional trifft. Völlig normal, wenn da Ängste und Sorgen hochkommen, die jetzt angeschaut werden wollen. Aber jetzt ist die Situation ja auch DA. Und das wiederum gibt dir die Möglichkeit, deinen Spielraum auszuloten und ins Handeln zu kommen. Im ersten Beispiel war alles nur wilde Theorie. Im zweiten Beispiel ist es an der Zeit, die Ärmel hochzukrempeln und die Herausforderung anzunehmen.

Übrigens: wenn du dich in der Person wiedererkennst, die sich mit Wohnort nahe Salzburg in der Flurfunk-Phase völlig wahnsinnig gemacht hat, um dann du hören, dass der Arbeitsplatz künftig direkt in der Nachbarschaft liegt, dann weisst du ja, wie sinnlos sowas sein kann …


„Das ist aber überhaupt nicht einfach!!!“

Stimmt. Und ich würde auch nichts anderes behaupten. Trotzdem möchte ich dich einladen, es immer wieder zu versuchen. Da fällt kein Meister vom Himmel und es gelingt mir auch nicht jedes Mal. Und mitunter verwechsel ich auch mal dein Bier und mein Bier. Aber es lohnt sich dennoch, immer wieder die Frage stellen, mit wessen Bier man es gerade zu tun hat. Mein Bier? Dein Bier? Das Bier des Universums und seiner Konsorten?

Der Ansatz stammt übrigens nicht von mir. Soweit ich weiss, geht er zurück auf Byron Katie, einer auch im deutschsprachigen Raum sehr bekannten Autorin, die schon in den 1980er Jahren darüber geschrieben hat, wie befreiend es für uns ist, wenn wir aufhören, uns um Dinge zu kümmern, die nicht „unser Business“ sind und über die wir keine Kontrolle haben. Und uns stattdessen aber tatsächlich um die Dinge kümmern, die in unserer Verantwortung liegen.


Auf die Weisheit, das eine Bier vom anderen Bier zu unterscheiden! Proscht!!


Alles Liebe von

Karin



... und wenn du den nächsten Artikel druckfrisch erhalten möchtest, dann registriere dich gerne hier am Ende der Seite für die Zustellung per E-Mail.

23 Ansichten

© 2020 Dr. Karin Amberg