• Karin

# 10 Freiheit



Eigentlich hätten wir bei „Dirty Dancing“ schon alles lernen können, was wir über die Freiheit wissen müssen. Es gibt da eine Szene, in der Patrick Swayze seiner Tanzpartnerin etwas Grundlegendes übers Tanzen beibringt: „This is my dance space, this is your dance space. I don’t want yours, you don’t want mine. You’ve got to hold the frame.“ Hier zur Auffrischung ein Link (zu Youtube). Diese Szene enthält für mich eine der wichtigsten Lehren für den Umgang miteinander: Dein Tanzbereich, mein Tanzbereich - wir können nur gut miteinander leben, wenn jede*r die Freiheit des anderen respektiert und auch niemand seine eigene Freiheit aufgibt. Niemand kann erwarten, dass andere die eigene Freiheit respektieren, wenn wir nicht deutlich machen, wo unsere Freiheit beginnt. Die Aussage „You’ve got to hold the frame“ bedeutet für mich, dass - jedenfalls in der DACH-Region, wo wir heute dankenswerterweise in Freiheit leben dürfen - jede erwachsene Person grundsätzlich selbst dafür zuständig ist, den Rahmen der eigenen Freiheit abzustecken und zu halten. Denn niemand kann unsere Wünsche, Bedürfnisse und Interessen besser vertreten als wir selbst.


Ausdrucksformen der Freiheit

Freiheit ist ein weites Feld, auf dem jede*r von uns seine eigenen Schwerpunkte legt. Für den einen ist es die Freiheit von Fremdbestimmung im Job, für die andere geht es um finanzielle Unabhängigkeit. Der eine empfindet es als Freiheit, wenn er die Mietwohnung endlich gegen das eigene Haus tauschen kann. Die nächste fühlt sich frei, wenn sie weiss, dass sie den Job und die Wohnung nach Ablauf der Kündigungsfrist jederzeit hinter sich lassen kann. Und wieder andere fühlen sich erst dann wirklich frei, wenn sie ihren Traum vom Leben als digitale Nomaden verwirklichen konnten. Freiheit kann bedeuten, sich sowohl für Kinder als auch für den Beruf zu entscheiden. Genauso wie Freiheit bedeuten kann, den Beruf zugunsten der Erziehungsarbeit zurückzustellen. Und Freiheit kann eben auch bedeuten, sich bewusst gegen Kinder zu entscheiden. Viele Menschen erleben Freiheit im Urlaub und auf Reisen. Für wieder andere ist es die höchste Form der Freiheit, zu Hause einfach mal nichts zu tun und nur zu „sein“.

Die Ausdrucksformen der Freiheit sind so vielfältig, wie es Menschen gibt. Und wenn es dir wichtig ist, dass deine Freiheit respektiert wird, dann erscheint es mir sinnvoll, nicht darauf zu warten, dass deine Mitmenschen erraten, worauf es dir im Besonderen ankommt, sondern deine Vorstellungen mitzuteilen. Immer in dem Wissen, dass deine Perspektive für die andere Person nicht automatisch nachvollziehbar, aber in jedem Fall richtig ist - für dich.


Unfreiheit erkennen

Wie schon gesagt, in Bezug auf die Freiheit gibt es kein „so isses“. Es kommt darauf an, dass du dir klar machst, was Freiheit für dich bedeutet. Und wo du in deinem Leben noch Unfreiheit wahrnimmst, die du so nicht mehr hinnehmen möchtest. Vielleicht fühlt sich deine Beziehung momentan zu eng an? Vielleicht erlebst du deine derzeitige Rolle in der Familie als unfrei? Oder du fühlst dich total fremdbestimmt in deinem Job? Vielleicht lebst du in einer Umgebung, in der du dich nicht frei enthalten kannst? Oder erlebst du gerade körperliche Einschränkungen, die du jetzt endlich ad acta legen möchtest?

Freiheit und Unfreiheit können viele Formen haben. Deine Werte bestimmen, welche Form der Freiheit für dich wichtig ist, wo du wieder mehr für deine Freiheit einstehen willst und wo du selbst gar keine Beschränkung deiner Freiheit empfindest.


Und nun??

Wenn du erkannt hast, in welchen Bereichen es an der Zeit ist, dir wieder deine Freiheit zurück zu holen, dann musst du nicht gleich „tabula rasa“ machen. Sehr wahrscheinlich geht das auch gar nicht, denn wir leben ja alle nicht als Einsiedler in den Bergen. Und wenn du ehrlich bist, dann willst du das vielleicht auch gar nicht, denn dort wo du heute stehst, stehst du auch aufgrund deiner vorhergehenden Entscheidungen, die dich an diesen Punkt gebracht haben. Und meist ist an dem Punkt ja auch nicht alles verkehrt. Es bedarf häufig nur einer gewissen Korrektur, damit sich die Dinge wieder gut anfühlen.

Deshalb lade ich dich ein, dir zu überlegen, wie du dir in einem Bereich deiner Wahl heute, morgen, übermorgen und am Tag danach wieder ein kleines bisschen mehr Freiheit zurückerobern könntest. Ein minikleines bisschen ist vollkommen genug. Wenn du jeden Tag auch nur einen kleinsten Mini-Schritt machst, kommt du mit der Zeit trotzdem vom Fleck und die Dinge fangen an, sich zu ändern. Versprochen.


Auf die Freiheit! Alles Liebe von

Karin



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